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Lehrfahrt „Sonne, Mohn und Pech“

| Sandra Mühlbauer

12. – 14. Juni 2026 | Österreich – Waldviertel

Drei Tage, viele Eindrücke und eine Fülle an Kräuterwissen: Unsere diesjährige Lehrfahrt führte uns vom Botanischen Garten Linz über das Waldviertel bis zu einem echten Pionierbetrieb des Bio-Kräuteranbaus. Unter dem Titel „Sonne, Mohn und Pech“ erlebten wir eine abwechslungsreiche Mischung aus Botanik, traditionellem Wissen, Kulturgeschichte und moderner Kräuterverarbeitung.

Schon der erste Tag machte deutlich, was eine solche Lehrfahrt so besonders macht: Man lernt nicht nur Neues – man sieht Bekanntes mit anderen Augen.

Tag 1: Pflanzenvielfalt und eine blühende Überraschung

Unser erstes Ziel war der Botanische Garten Linz. Zwischen einer beeindruckenden Vielfalt unterschiedlichster Pflanzen konnten wir unser Wissen über Pflanzenfamilien und Pflanzensystematik vertiefen. Gerade für Kräuterpädagoginnen und Kräuterpädagogen ist es immer wieder spannend, Pflanzen einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Zusammenhänge zu entdecken.

Anschließend ging es weiter nach Zwettl. Im Stift Zwettl tauchten wir in die Geschichte der Klosterheilkunde ein und erfuhren mehr darüber, welche Bedeutung Heilpflanzen und überliefertes Wissen in der klösterlichen Tradition hatten. 

Ein besonderer Höhepunkt unseres Besuchs im Kloster war die außergewöhnlich schöne Ausstellung von Blumenarrangements. Mit großer Kreativität und viel Liebe zum Detail waren die Blumen zu beeindruckenden Arrangements gestaltet. Teilweise schmückten sie die Altäre der Klosterkirche und entfalteten dort vor der historischen Kulisse eine ganz besondere Wirkung.

Die Verbindung von üppiger Blütenpracht, kunstvoller Gestaltung und der beeindruckenden Atmosphäre der Klosterkirche machte diesen Anblick zu einem Erlebnis, das vielen von uns besonders in Erinnerung bleiben wird. Für uns als Kräuterpädagoginnen und Kräuterpädagogen war es eine wunderbare Gelegenheit, Pflanzen einmal nicht nur unter botanischen oder heilkundlichen Gesichtspunkten wahrzunehmen, sondern auch ihre ästhetische und kulturelle Bedeutung zu erleben.

Eine kulturhistorische Führung durch Zwettl rundete unseren ersten Tag ab.

Tag 2: Seltene Pflanzen, alte Sorten und ein ganz besonderes Handwerk

Am zweiten Tag wartete ein weiteres Highlight auf uns: der Schaugarten der Arche Noah in Schiltern. Hier bekamen wir einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit zum Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt. Seltene Nutzpflanzen, alte Sorten und die Gewinnung von Saatgut zeigten uns, wie wertvoll die Bewahrung pflanzlicher Vielfalt für unsere Zukunft ist.

Danach führte uns die Lehrfahrt zu einem Handwerk, das man heute nur noch selten hautnah erleben kann: der Pecherei.

Bei der Pecherei Rendl in Waidmannsfeld erfuhren wir, wie Harz traditionell aus der Schwarzkiefer gewonnen und verarbeitet wird. Besonders spannend war dabei auch die Verbindung zur Volksheilkunde und die Verwendung von Baumharzen. Ein faszinierender Einblick in ein altes Wissen, das droht, in Vergessenheit zu geraten.

Tag 3: Zu Besuch beim Kräuterpionier

Der dritte Tag stand ganz im Zeichen der Kräuter. Bei Sonnentor in Sprögnitz durften wir einen Blick hinter die Kulissen des bekannten Bio-Kräuterpioniers werfen.

Vom nachhaltigen Kräuteranbau über die Qualitätskontrolle und Trocknung bis hin zur modernen Verarbeitung konnten wir nachvollziehen, welche Schritte notwendig sind, bevor aus einer Pflanze ein hochwertiges Kräuterprodukt entsteht.

Besonders beeindruckend war, wie sich traditionelles Kräuterwissen, sorgfältiger Umgang mit den Pflanzen und moderne Produktionsmethoden miteinander verbinden lassen.

Drei Tage, die bleiben

Was von dieser Lehrfahrt bleibt, sind weit mehr als die vielen fachlichen Informationen. Es sind die besonderen Orte, die Begegnungen, die Gespräche unterwegs und die vielen kleinen Aha-Momente.

Gerade die Mischung machte diese drei Tage so besonders. Botanische Vielfalt traf auf Klostermedizin, prachtvolle Blumenarrangements auf historische Kultur, alte Kulturpflanzen auf traditionelles Handwerk und überliefertes Wissen auf moderne Kräuterverarbeitung.

Eine Lehrfahrt wie diese zeigt einmal mehr, wie vielfältig das Wissen rund um unsere Pflanzenwelt ist – und wie viel es noch zu entdecken gibt.

Eines hat diese Reise ganz sicher gezeigt: Gemeinsam unterwegs zu sein, macht Wissen noch lebendiger.

Ein großes Dankeschön an Charlotte Froschhammer, die für die Planung und Durchführung der Lehrfahrt zuständig war.

Lehrfahrt „Sonne, Mohn und Pech“